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Wahlwerbespot "Geh' wählen" und alle A und B Promis landen damit im Musikantenstadl

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König der Werbepausen und Couchkartoffeln

Edmund Stoiber!, meinedamenmeineherren, Edmund Rüdiger Stoiber! Wir kennen ihn noch aus erfolgreichen Filmen wie dem Speed-Streifen „In zehn Minuten“, der heiteren Familienkomödie „Muschi“ oder der tragischen Romanze „Die godernde Lut“. Er hat seine Zuschauer begeistert. Millionen von Anhängern hat er charmant, weltoffen, schmunzelnd für sich eingenommen. Auch seine strengen Seiten, die väterliche Sorge, den unbayerischen Fleiß, liebte der Zuschauer auch am siebten Tage. Die Hütte brannte – entschuldigen Sie bitte diesen legeren Ton, aber es lesen auch Jugendliche mit, weil diese seit neuestem extrem an Politik interessiert sind – die Hütte brannte, allein wenn Edmund Stoiber! einmal keck den Aktendeckel aufschlug.

Und nun startet Edmund Stoiber! das Comeback des Jahres mit einem neuen cineastischen Megaprojekt: „Geh wählen!“. Es ist eine Serie von Pro7. Dort treten in den verschiedenen Folgen Stars auf, die über Politik und einen Käse, der Fäden zieht, meckern. Alle doof, außer Mutti. Klar. Und jetzt halten Sie sich fest! Die Stars sind verkleidet! aa1ea9a4f5144acf877559a884bc66f4

Da hockt ein Rentner (Moderator Claus Strunz), der dräuend seinen Stock schwenkt und ramentert, dass die deutschen Männer allesamt Luschies sind. Nachher pflanzt sich ein „Hippie“ vor ein Café (Christoph Maria Herbst), der jault, dass die Griechen jetzt weniger Schulden haben, aber er kein Wlan. Und schließlich steht ein Blondchen (Model und Moderatorin Rebecca Mir) in einem Laden und zeigt ihre Bling-Bling-Ringe und erklärt, wie langweilig Politik ist, weil die alle übel aussähen. Überhaupt: Wahlkabinen seien ekelhaft.

Es gibt noch mehr. Ich will Ihnen allerdings die Überraschung nicht versauen und beschränke mich auf diese Beispiele, die allesamt zusammengefaltet und in die Urne gestopft werden (von jeweils anderen Stars). Die gespielte Empörung über Männer in schlechten Anzügen und die Griechenschulden sind freilich grober Unfug bis gefährlich gelogen. Die griechische Staatsverschuldung ist von 136 Prozent BIP (ein Jahr zuvor) auf 160 Prozent BIP gestiegen. Aber ich bitte Sie, es handelt sich ja um eine Serie! Deshalb darf Pro7 bei Kostüm und Dramaturgie so weit in die Klischeeschublade greifen, dass alle Beteiligten froh sein können, wieder herausgekommen zu sein. Schmarrn, mein Fehler. Die hausen ja schon immer dort.

Die temporäre Satirezeitung „Die Welt“ jubelt über die Selbstironie von Edmund! Stoiber!, der den „Grantler“ im Biergarten gibt. „Ein Kreiz“, grantelt der Grantler, mache er keins. Nein, er mache höchstens drei Kreuze, wenn diese Wahl vorbei ist. Dann grantelt er noch ein bisserl herum, bis ein anderer Star, Kickboxerin Christine Theiss, die Szene plötzlich zusammenfaltet und in eine Wahlurne stopft. Erklärung: „Du kannst mit deiner Stimme mehr als meckern – geh wählen!“ Hui. Da stehen, nein, da springen die jungen Deutschen aus ihren Sitzkuhlen auf und rennen zu den Wahllokalen – ohne zu wissen, was sie wählen sollen. Das sagt einem wieder keiner auf Pro7. Ach doch, ja, vielleicht die lustige Stoiber-Partei, die jetzt Seehofer-Partei und bald Aigner-Partei heißt. Schließlich ist der Edmund Stoiber! ein alter CSUler, ehemaliger Kanzlerkandidat und seit 2011 Vorsitzender eines Beirats der Pro7-Gruppe.

Jedenfalls würde der Welt-Oskar an Pro7 und Edmund Stoiber! gehen. In jeder Kategorie. Selbst in der Kategorie „Wie süß ist das denn?!“ Er hatte nämlich einen Hund dabei. Einen Hund! Einen Dackel! Namens „Maxl“. Ein Maxldackel als Wahlkampfhelfer. Mir wird ganz warm am Sterz – äh, ums Herz. Und freilich kommt man via die Werbeanzeige, nein, den Bericht von „Die Welt“ per Mausklick sofort zu den Spots. Nicht, dass dies alles als penetrant verstanden wird, gell. Ein Service ist das, zefix! Da können die Verschwörungstheoretiker noch drei Mal „Vetternwirtschaft“ brüllen, das was der Edmund Stoiber! und die anderen Stars da machen, das ist wenigstens einmal was fürs Volk. Und er, der Ermund Stoiber!, der kann das schon trennen, Parteibuch und Medienkontrolle.

Aber Moment, denkt man, und währenddessen fällt einem eine Wespe in die Maß, weil man nicht getrunken, sondern gedacht hat. Daraufhin ärgert man sich gleich noch viel ärger und denkt weiter: „Die Welt“ gehört ja dem Springer-Konzern. Und Pro7 ist seit 2005 für die Springer-Gruppe ein heimatloser Perlenfisch. Springer hat damals, gleich der Seegurke, gesagt: „Komm zu mir, kleiner Fisch, ich nähre dich, solange du in meinem Arsch wohnst.“ Es wäre alles so schön geworden. So familiär. So nah. So nah, dass man gleich erkennt, was der andere am liebsten trinkt, während er „Hallöchen“ flötet. So nah, dass man kaum mehr merkt, an welcher Börse man seine Hand hat. Egal, gehört eh allen alles. Ha, ha!

Jedoch, o Graus, kartellrechtlich ging es sich nicht aus. Allerdings haben sich das Bundeskartellamt und die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) damals mit ihrem Kaufverbot gegenüber Springer verhoben. Inzwischen wurde dem Springer-Imperium der Kauf von der Pro7-Sippe gerichtlich genehmigt.

Also könnte Springer nun zum Zuge kommen und die Pro7-Sat1-Gruppe einheimsen. Edmund Stoiber!, meinedamenmeineherren, zwar kein Kanzler der Deutschen, aber König der Couchkartoffeln. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir schwinden die Sinne. Dann gibt es noch mehr merkwürdigen Wahlkrampf und Alltagsnonsens von Prominenten, die mein Leben keine Sekunde lang verbessern. Trotzdem soll ich sie kennen. Sogar ohne Einblendung ihrer Namen. Entschuldigung, aber da spiele ich erst mit, wenn diese sogenannten Prominenten, die für Politik werben, den politischen Alltag, die Wahl und die Eurokrise erklären. Wenn sie erklären, warum die Griechen scharenweise ins Meer gehen, um sich umzubringen.

Na ja, das ist vielleicht ein bisserl viel verlangt. Also gut. Zuerst soll die Aigner Ilse alle von der EU erlaubten Zusatzstoffe in Lebensmitteln aufzählen. Ohne einen sprachlichen Fauxpas. Dann kommen die Prominenten dran, die sich überdies nun in Scharen an Politiker kleben. Für die Jungwähler und ihr Interesse. Freilich lassen sich die Politiker auf diesen bunten Karnevalsverein ein.

Es ist vielleicht grade hip, Themen wie Bankschulden, Waffenhandel, Syrien, NSA, Putins Homophobie, alte, undichte Atomkraftwerke (Grundremmingen), Asse II etc. auszuweichen, stattdessen mit jungen Stars und Sternchen zu „talken“ und am Schluss wie Peer „Pechvogel“ Steinbrück gegenüber dem Musiker Gentleman zu propagieren, dass es darum gehe, „den Laden zusammenzuhalten“. Überhaupt habe ja jeder eine zweite Chance verdient. Das alles sieht man wieder auf Pro7, bei „Task Force Berlin“. So so. Das muss der Steinbrück sich wohl noch mal mit dem Müntefering absprechen, der unter Altabkanzler Gerhard Schröder das Volk anbellte: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“

Man muss ja mal über was anderes reden, über das Private, wie Angela Merkel, die gute Kartoffelsuppe macht aber ihrem Mann Joachim Sauer zu wenig Streusel auf den Kuchen streut (darüber komme ich nie hinweg). Man muss den jungen Leuten zeigen, dass selbst eine Anke Domscheit-Berg (Piraten) mit dem Heidi-Klum-Fexer Rebecca Mir über Lebensstil (Lifestyle) zu reden vermag. Mir konfrontiert zudem den Söder Markus mit Fragen von jungen Menschen. Das ZDF hingegen geht äußerst subversiv vor und bedient sich einer Marie-Luise Marjan („Mutter Beimer“) und eines Guido Knopp, um die Jugendlichen für Politik zu begeistern. Moderator ist – Überraschung! - die Gutelaunenudel Jörg Pilawa.

Politik meets Bubblegum.

Politik becomes Bubblegum? Obwohl doch Papa Gauck gesagt hat, dass so ein Wahlkampf vernünftig sein solle. Mit Parteien, die klar machen, warum die anderen blöder sind als sie. Oder halt, warum sie besser sind als wie die Blöden. Allerdings machen sie das schon klar. Auch ohne Wahlkampf.

Zumindest das Gegenteil, wie zum Beispiel unlängst der Seehofer Horst, der die Ausweisung des „Monitor“-Teams aus Bayern gefordert hat, weil sie die Landtagspräsidentin Barbara Stamm zur neuen Amigo-Affäre befragen wollten. Denn dabei haben die Journalisten die Stamm von hinten angestupst. Man werde von diesen Journalisten „getrieben“, sagte der Ministerpräsident. Der fährt halt auch seinen eigenen Film, der Horst. Mal sehen, wo er dann in ein paar Jahren mitspielt, wenn die Wahlen vorbei und die Amigos alle benannt sind. Bestimmt nicht beim Musikantenstadl, wo er traurig „Muss i denn zum Städtele hinaus“ singt.

Denn eines haben diese Politiker den Stars voraus: Sie verschwinden nie von dem Parkett, auf dem sie am besten tanzen: das des Scheins und der Scheine. Und deshalb braucht es ihnen eigentlich auch gar nicht so wichtig sein, ob sie gewählt werden, die Steinbrücks und die Brüderles. Gut, da wäre die Macht. Andererseits müssen sie sich dann damit auseinandersetzten, wie sie die Arbeiterkarre noch tiefer in den Dreck fahren, für die Märkte und Investoren. Nix tun und trotzdem Kohle, das ist doch viel angenehmer. Was wiederum diesen entsetzlich faden, bis ins Lächerliche gezogenen Wahlkampf erklärt.

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