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Ein bisschen Krieg gefällig?

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Der Krieg

An Stammtischen wird traditionell diskutiert und zwar hauptsächlich die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage im eigenen Lande oder, wenn der Flüssigkeitshaushalt passt, gleich auf der ganzen Welt. Die Stammtischler werfen dabei viele Fragen auf, welche sie auch am liebsten gleich klären. Doch dieser Tage hört man eine Frage, die sich nicht so einfach und süffisant wie gewohnt beantworten lässt – und die auch außerhalb den Wirtsstuben gestellt wird: „Haben wir jetzt eigentlich Krieg?“ Man fragt dies mal ängstlich, hysterisch oder gar aggressiv.

Ein alter Spruch warnt bekanntlich davor, den Teufel an die Wand zu malen. Allerdings hört man alte Leute wiederum zu oft sagen: „Eure Generation bräuchte mal wieder einen Krieg.“ Das ist natürlich menschenverachtender Irrsinn. Insbesondere, wenn so etwas eben Personen sagen, die doch die Wehen und Qualen des Weltkriegs und der Nachkriegszeit miterlebt haben.

Oft bekommt man dieser Tage den Eindruck, die Leute wollen den Krieg herbeireden. Leider müssen sie das gar nicht tun, leider haben wir ihn bereits1. Ein Krieg bedingt bekanntlich (mindestens) zwei Parteien, die unterschiedliche Standpunkte und vielerlei Interessen vertreten, und sich vor allem über die Frage den Schädel perforieren, wer am Platz der Babohirsch ist. Das ist wiederum überall auf der Welt der Fall.

Derweil munkelt der Michel unter seiner Mütze hervorlugend immer häufiger, dass ihm die Medienlandschaft Informationen vorenthalte, über die militärische Ambition, Aktion und Agitation Deutschlands – die nächste Schlussfolgerung lautet wohl „Lügenpresse“. Nun, es ist tatsächlich so, dass sich die Kriegsberichterstattung geändert hat. Also, wenn es um Kriegseinsätze oder Kämpfe in Ländern geht, die uns eigentlich wurscht sind. Falls Europa oder Amerika angegriffen werden, blenden die Sender am liebsten noch in den Werbepausen weinende Menschen ein – außer freilich, wenn die EDEKA-Werbung läuft. Weil die was fürs Herz ist. Es mutet seltsam an, dass ganz Deutschland bei der Werbung eines Konzerns geschlossen gerührt aufschluchzt und die breite Masse aber beim Anblick von verfolgten Menschen mit den Schultern zuckt und sodann die Reihen schließt. Ja, ja, freilich. Der Spot hat was mit Weihnachten zu tun und „diese Asylanten da“ nicht. Ja, die erdreisten sich, einen anderen Glauben zu haben und zu leben! Herrschaftszeiten! Und das ist außerdem der Glaube von diesen Terroristen da!

Liebe Angst- und Kulturchristen: Der Islam hat erst einmal wirklich keineswegs etwas mit diesen Verbrechern des IS zu tun, die morden, foltern und verfolgen. Gemäß dieser Annahme hätte nämlich sonst auch der fanatisierte Kreuzritter oder der sadistische Inquisor etwas mit dem kleinen Maxl aus Hinterdupfing zu tun, der seine Kommunion feiert.

Noch dazu kommen Flüchtende in einigen Unterkünften mit Weihnachten in Berührung – zumindest stehen dort Tannenbäume und man lädt sie zu Adventsfeiern ein. Und dies scheinbar ohne jeden missionarischen Gedanken, durch den sich der Christ doch so gern hervortut. Nein, dort jodelt der bayrische Katholik, dann singt der geflüchtete Afrikaner. Das hört sich besser an, als so mancher Familienchor vorm Christbaum (und ein bisschen nach Polt), wobei das unmusikalischste Familienmitglied seit Jahren alleinig den Chor vertritt.

Der Krieg trägt zudem seit Jahren andere Namen: „Friedenseinsatz“ oder „Solidarität mit Frankreich“.

Und diese Solidarität führen wir nun aus. Via Bundeswehr natürlich. Und angeblich ist das völkerrechtlich in Ordnung. Obwohl zumindest feststehen dürfte, dass Assad niemanden um eine derartige „Hilfe“ gebeten und also keine „Einladung“ ausgesprochen hat, wie es das Völkerrecht allerdings vorschreibt.

Indes rasseln Russland und die Türkei weiterhin mit ihren Säbeln. Betrachtet man ihre gemeinsame Vergangenheit, liegt der Gedanke an Krieg nah. Putin erklärt, dass man die Türkei noch oft an den Abschuss des russischen Kampfbombers (der ja bitte schön im Kampf gegen den Terrorismus, ergo für den Frieden gebombt hat) „erinnern“ und, dass die Türkei den Abschuss „spüren“ werde. Weiterhin behauptet Putin, dass Erdogan Öl vom IS geliefert bekomme, womit er freilich die Situation zünftig anheizt.

In dem ganzen überhitzten Geplärre spaziert unbeeindruckt der SPD-Verteidigungsminister Rainer Arnold ans Rednerpult, während der Bundestag sich gerade entschließt solidarisch zu sein. Wegen der „Krise Europas“, erklärt Arnold tatkräftig, müsse man sich gerade dahingehend bemühen, das Bündnis zwischen Deutschland und Frankreich zu erhalten. Man könne nur Solidarität in Europa einfordern, wenn man als „Deutsche“ kein schlechtes Beispiel abgebe.

Ach so! Es geht wieder um Europa und den Euro, um Banken und so weiter. Sagt das halt gleich. Wenn's um Geld geht, halten wir freilich gern zusammen.

Dem Beschluss des Bundestags hat sich nur eine Partei widersetzt: DIE LINKE. Sahra Wagenknecht betitelte es als „Wahnsinn“, dass man nun wegen dem IS und des Anschlags in Paris „unschuldige Menschen“ in Syrien töte. Davon muss man ausgehen, da der IS höchstwahrscheinlich seine Unterkünfte kaum durch Neon-Schilder wie „Zur lustigen Jungfrau“ oder durch rote Kreuze kennzeichnet.

Auf Wagenknechts Aussage diagnostizierte der CDU-Außenpolitiker und Küchenpsychologe Norbert Röttgen bei der Vorsitzenden der Linksfraktion eine ideologische Verwirrung. Also gilt man hierzulande als verwirrt, wenn man gegen Krieg und die Ermordung Unschuldiger ist? Oder meint er, weil die Linken eigentlich alle schon genetisch Kommunisten und deswegen eben keine Pazifisten sind? Sondern alte 68er – oder gar Stalinisten? Fragen über Fragen. Doch der Röttgen macht bereits weiter, lässt die Solidarität links liegen und spricht stattdessen von einer Verantwortung, die man in Europa gegenüber der „Krisenregion im Mittleren Osten“ habe. Verantwortung heißt also, erst Waffen zu liefern und nun einzumarschieren? Die Logik eines Herrn Röttgen sieht jedenfalls so aus: Wenn man kein politisches Konzept habe, dann scheitere auch der Militäreinsatz gegen den IS.

Allerdings könne man erst diplomatisch agieren, wenn man militärisch präsent sei, wofür eben die Regierung vorerst bis zu 1.200 Soldaten, sechs Aufklärungsflugzeuge, ein Tankflugzeug, Satellitentechnik sowie eine Fregatte losschickt. Sprich: Nicht lange fragen, sondern schießen. Erst wenn der Kopf des Gegners, oder von Jemandem, der es sein könnte, sich unter deinem Stiefel befindet, kannst du fragen, wie schmerzhaft genau er verlieren will.

Überhaupt: Wer will denn mit dem IS bitte schön Diplomatie üben?! Wie kommt man denn von IS auf Diplomatie?!
Ja, wir schaffen das. Wir schaffen es ganz teutonisch, dass in einem anderen Land bald noch mehr Chaos und Zerstörung herrschen.

Man merkt, was auch immer der IS noch so alles anstrebt, zwei Ziele hat er erreicht: der deutsche Kämpfer steigt nun ernsthaft in den Ring und um ihn herum schlottern die Fans, beim Anblick seines noch vermummten Gegners.

Konzerne, Staaten, Mörder, Faschisten, Rassisten und sonstige Fanatiker brauchen den Krieg. Aber was bringt er denn, der Krieg? Auf keinen Fall führt er zu Frieden. 

Der Mensch braucht jedoch den Frieden, um sich geistig weiterzuentwickeln, um sich zu zivilisieren, um anderen gegenüber menschlich zu sein. Den Frieden sollten sie mal malen, jene Freizeitregierungen, die sich tagtäglich versammeln, um unter weißen Michelmützen die Welt zu besprechen. Denn wie schon Rio Reiser sang: „Er ist nicht tot, der Krieg.“

 

Auf Spiegel-Online kann man die diversen Einsatzorte der deutschen Bundeswehr einsehen: http://cdn1.spiegel.de/images/image-930290-panoV9free-tglm-930290.jpg

 

 

Bildnachweis:  Adolf Hitler - Bilder aus dem Leben des Führers

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