12 Tage Roadtrip durch drei Länder Teil 9 Frankreich
Empfehlung

20 April 2026
Autor :  
Susanna

Auf der Suche nach dem Frühling (Teil 9)

Tag 11 Beaune

Beaune führt mich zurück in die Zeit der Burgunder Herzöge, die eng mit der Geschichte Flanderns verbunden sind. Auf meinen Studienreisen dorthin, fand ich diesen Teil besonders spannenden, denn die burgundischen Herzöge waren im 14. und 15. Jahrhundert unter den mächtigsten Fürsten Europas. Besonders unter Philipp dem Kühnen, Johann Ohnefurcht, Philipp dem Guten und Karl dem Kühnen entstand ein fast eigenständiger Herrschaftsraum zwischen Frankreich und dem Reich, mit Dijon als traditionellem Zentrum und einem sehr repräsentativen Hof. Das reiche Flandern spielte eine entscheidende Rolle.

Die Herzöge bauten ihren Einfluss durch Heiraten, Erbschaften und kluge Bündnisse stark aus. Unter Philipp dem Guten wuchs der burgundische Besitz vor allem in den Niederlanden erheblich, sodass Burgund zu einem politischen und wirtschaftlichen Schwergewicht wurde. Der Hof von Burgund war berühmt für seinen Prunk, seine Feste, Turniere, Bankette und ein ausgefeiltes Zeremoniell. Diese Hofkultur war nicht nur glanzvoll, sondern diente ganz bewusst dazu, Macht zu zeigen und die vielen unterschiedlichen Territorien des burgundischen Herrschaftsverbunds zusammenzuhalten. Am burgundischen Hof blühte die Kunst: Malerei, Handschriften, Architektur und höfische Literatur wurden großzügig gefördert. Besonders wichtig war der 1430 gestiftete Orden vom Goldenen Vlies, der den Hochadel enger an die Dynastie band und den Anspruch auf eine eigene höfische Identität unterstrich.

  Beaune  

Im berühmten Hotel de Dieu kann man heute noch das jüngste Gericht von Rogier v/d Weyden besichtigen. Auch van Eyck und Memling profitierten von der Kunstförderung der Burgunder. Burgund gilt als Vorläufer moderner Hof- und Staatskultur, weil dort Politik, Zeremoniell und Repräsentation eng verbunden wurden. Der Hof war ein Modell dafür, wie Herrschaft nicht nur militärisch, sondern auch durch Bilder, Rituale und Kultur stabilisiert werden konnte.

Nach einem letzten typisch französischen Frühstück haben wir uns die wichtigste Kirche der Stadt angesehen. Die Kollegial- oder Stiftskirche Notre-Dame im Zentrum der Stadt, also die heutige Pfarrkirche Beaunes. Sie gehört zu den letzten großen romanischen Kirchenbauten im Burgund und stammt im Kern aus dem 12. Jahrhundert, wurde aber später um gotische und spätere Elemente ergänzt. Die Kirche ist als Basilika mit lateinischem Kreuzgrundriss angelegt: dreischiffiges Langhaus, Querhaus, Chor mit halbrunder Apsis und drei Radialkapellen, dazu ein Umgang um den Chor. Typisch burgundische Merkmale sind die Spitztonnen- und Kreuzrippengewölbe sowie die kompakte, monumentale Wucht des Baukörpers, die an die Cluniazenserkirchen wie Autun erinnert. Sie wird nicht die letzte Kirche in Frankreich bleiben.

Beaune Notre Dame  Beaune Notre Dame  

Gegen Mittag fuhren wir weiter in Richtung Westen und da war schon wieder einer dieser Namen, die ich im Studium gehört hatte und unbedingt sehen wollte – Paray-le-Monial. Ein kurzer Abstecher dahin musste sein. Im 17. Jahrhundert wurde Paray-le-Monial durch die Erscheinungen des Heiligsten Herzens Jesu an die Nonne Marguerite-Marie Alacoque im dortigen Kloster weltweit bekannt; seitdem ist die Stadt ein zentraler Ort der Herz-Jesu-Verehrung und ein bedeutender katholischer Pilgerort. Das auffälligste Gebäude ist die spätromanische Basilika Sacré-Cœur (oft auch „Basilika des Heiligsten Herzens“ genannt), die im 12. Jahrhundert als Prieuralkirche begonnen und später zum großen Wallfahrts- und Marienheiligtum ausgebaut wurde.

Pary-le-Monial Sacré-Coeur  Paray-le-Monial  

Um sie herum liegt ein hübsch gepflegtes, relativ kleines Stadtzentrum mit Bürgerhäusern, einem Park und grünen Gassen – Paray-le-Monial trägt den Titel „Ville d’art et d’histoire“ und gilt als „Gartenstadt“ mit viel Grünfläche. Mich zog die Kirche sofort in den Bann – Romanik vom feinsten und noch dazu gilt sie als kleiner Nachbau von Cluny II. Die cluniazensische Architektur zeichnet sich durch monumentale Dimensionen und liturgische Pracht aus, die den Reichtum des Cluniazenserordens widerspiegeln. Typisch sind dicke Wände, kleine Fensteröffnungen und strenge Arkaden mit geometrischen oder pflanzlichen Skulpturen auf Kapitellen und Tympana. Diese romanischen Elemente betonen Stabilität und biblische Narrative, oft mit Bestien und Ranken verziert. Auch der Kreuzgang der Kirche war sehenswert – sie ist definitv einen Abstecher wert gewesen.

Gegen Abend sind wir dann in Basel/Weil am Rhein angekommen und haben dort auf dem Parkplatz des Schwimmbades übernachtet. Mit der Tram gings noch zu einem Absacker in die Markthallen und danach noch zu einem Konzert in einen Club. Schon der erste Eindruck von Basel hat uns überwältigt – eine großartige Stadt.

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Susanna

Freie Mitarbeiterin für Events und Tourisitik

Webseite: https://fb.me/susanna.waldorf
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